XaaS in der Industrie: Die nächste Evolutionsstufe der digitalen Transformation

Office-Anwendungen, Projektmanagement- und Buchhaltungstools – cloudbasierte Software as a Service kennen wir mittlerweile nicht nur aus dem privaten Umfeld, sondern auch als Anwendungen in Unternehmen. In der Produktion sind as a Service-Modelle allerdings bisher kaum etabliert. Dabei liegt gerade hier das größte Potenzial der Industrie 4.0! 

Was ist XaaS? 

XaaS steht als Abkürzung für Anything oder auch Everything as a Service. Bisher gab es drei gängige   Anwendungsfälle für „as a Service“-Geschäftsmodelle: 

Software as a Service (SaaS)

Früher haben Unternehmen ihre Business-Anwendungen meist einmalig gekauft und dann on-premise betrieben. Heute werden sie immer häufiger im monatlichen oder jährlichen Abo bezogen und direkt im Browser als cloudbasierte App genutzt.

Platform as a Service (PaaS)

Eigene Entwicklungsumgebungen zu betreiben, kann zu einem Kostentreiber werden. Unternehmen können mit PaaS Laufzeit- und Entwicklungsumgebungen je nach Bedarf in der Cloud mieten und so bei Projektspitzen unkompliziert Ressourcen hinzubuchen und später kündigen. 

Infrastructure as a Service (IaaS)

Auch Server und Storage lassen sich als Service in die Cloud auslagern, um zu möglichst geringen Kosten neueste Technologie zu nutzen. 

Regelmäßig kommen neue „as a Service“-Modelle auf den Markt, die sich längst nicht mehr nur auf digitale, sondern auch auf cyber-physische Systeme beziehen, bei denen das physische Produkt um digitale Zusatzleistungen erweitert wird. Damit sind „as a Service“-Modellen keine Grenzen gesetzt. XaaS ist daher der Begriff der Stunde und der Zukunft. Auch in der Industrie sind diverse “as a Service”-Modelle denkbar, zum Beispiel Equipment as a Service, Maintenance as a Service oder Production as a Service. Die Einnahmen von solchen digitalen Geschäftsmodellen lassen sich erheblich steigern: So finden sie nicht nur einmalig beim Verkauf einer Maschine oder Anlage statt, sondern im gesamten Produktlebenszyklus, wie beispielsweise im Aftersales-Markt oder durch mehr Serviceangebote.

Equipment as a Service ermöglicht Einnahmen im gesamten Produktlebenszyklus

Vorteile von industrieller XaaS 

Nein, die deutsche Industrie hat die digitale Transformation nicht verschlafen. In den vergangenen Jahren hat sie sich allerdings vorwiegend auf die Prozessoptimierung und Automatisierung im Front und Back Office konzentriert. Die Abläufe in Marketing, Vertrieb und Service wurden dank digitaler Helfer effizienter. In der Produktion bedeutete Digitalisierung meist: Industrial Internet of Things (IIOT) und Big Data. Maschinen wurden mit Sensoren und Software ausgestattet. Daten wurden erhoben und ausgewertet – alles mit dem Ziel, Ausfallzeiten zu reduzieren und mehr Umsatz zu erzielen. Ihr grundsätzliches Geschäftsmodell stellten die meisten Industrieunternehmen aber noch nicht in Frage. 

Jetzt bahnt sich ein Umdenken an: as a Service hält Einzug in die Produktionshallen. Service spielte bei industriellen Produkten schon immer eine wichtige Rolle. Angesichts veränderter Wertschöpfungsmechanismen wird das Denken in Service-Angeboten, neudeutsch ‘Servitization’, für Unternehmen noch naheliegender.

Mit dem Fortschreiten der Digitalisierung verschiebt sich der eigentliche Mehrwert ihrer Leistung hin zur Software, mit der die physischen Maschinen und Geräte versehen sind. Das physische Produkt macht nicht mehr den Kern der Wertschöpfung aus.

Anwendungsbeispiele für XaaS in der Industrie

In jeder Branche von der Energiewirtschaft über die Automobilindustrie bis zur Luftfahrt lassen sich XaaS-Szenarien realisieren. 

Ein Motorenhersteller kann auch in Zukunft noch Motoren verkaufen, doch der Motor ist nur die physische Komponente seines Angebots. Die höhere Wertschöpfung entsteht durch die Software, die er in seine Motoren integriert. Sie überwachen die Motorenleistung in Echtzeit und sorgen dafür, dass der Motor sich autonom für eine lange Lebensdauer reguliert. Kunden können dadurch massiv Kosten sparen, da sie die Wartungsintervalle verlängern, Ausfälle minimieren und Neuanschaffungen hinauszögern können.

Einen Schritt weiter gedacht stellen Betriebe ihr Angebot mit XaaS auf Miet- und Pay-per-Use-Modelle um. Maschinenbauer würden Industrieroboter für Bohrarbeiten in ihrer Produktion mieten und den Roboter pro gebohrtem Loch zahlen - Bohren-as-a-Service!


Sollte sich die Nachfrage nach dem Endprodukt am Markt ändern und müsste der Maschinenbauer seine Produktion umstellen, könnte er den Roboter unkompliziert zurückgeben und durch einen anderen – für die neuen Produkte geeigneten – ersetzen. Wenn das Geschäft dagegen sehr gut läuft, könnte der Maschinenbauer sein Leistungspaket einfach skalieren, in dem er schnell upgraded, um mehrere Roboter zu nutzen und diese über smarte Software ideal miteinander zu vernetzten. Alles bezahlt über ein Pay-use-Modell.  

Das Internet of Things, die Vernetzung von physischen Geräten mit smarter Software, ist die Basis für die neuen XaaS-Geschäftsmodelle. Der Mehrwert liegt sowohl bei Produzenten als auch bei Kunden in größeren unternehmerischen Gestaltungsmöglichkeiten und neuen Umsatzchancen. 

Vorteile von XaaS für Anbieter und Kunden

Die Argumente, die für Software as a Service sprechen, gelten auch für die service-basierte Nutzung von smarten Geräten und Maschinen: Kunden bleiben flexibel, erhalten neueste Technologie und smarte Zusatzservices – und das zu geringstmöglichen Kosten. 

Statt die Bilanz mit hohen Anfangsinvestitionen zu belasten, können Industriekunden die Kosten von XaaS als laufende Betriebsausgabe absetzen. Dieser Wechsel im Finanzierungsmodell von CAPEX zu OPEX erlaubt ihnen, ihre eigene Produktionseffizienz zu maximieren und Gewinne zu erhöhen. 

Doch nicht nur das: Sie können nun auch ihr eigenes Geschäftsmodell auf On-Demand umstellen. Ohne die hohen Investitionen in neue Geräte reduziert sich ihr unternehmerisches Risiko. Sie haben Spielraum, innovative Ideen zu testen und können sich auch unter schnell verändernden Marktbedingungen leichter behaupten.

XaaS-Vorteile für Industriekunden

  • Kein Aufwand für Wartung und Instandhaltung
  • Neueste Technologie zu geringem Preis
  • OPEX- statt CAPEX-Geschäftsmodell
  • Höhere Servicequalität/größerer Leistungsumfang 
  • Höhere Flexibilität

Dass Industrieanbieter ihr Geschäftsmodell auf XaaS umstellen, ist über kurz oder lang unausweichlich. Die Unternehmen müssen den veränderten Bedürfnissen der Kunden Rechnung tragen. Diese erwarten digitalen Komfort und Rundum-sorglos-Pakete nicht mehr nur von Office-Anwendungen, sondern auch von IIOT. Für die Industrie ist XaaS aber nicht nur Überlebensstrategie, sondern auch eine echte Chance. 

Als Serviceanbieter stärken Industrieunternehmen ihre Resilienz, die angesichts der Unkalkulierbarkeit der digitalen Transformation immer wichtiger wird. Sie können über günstige Pay-as-you-go- oder Abo-Modelle eine breitere Kundenbasis bedienen, während sich gleichzeitig die Kundenbindung erhöht. Mit messbaren finanziellen Auswirkungen. 

Laut IDC Servitization Barometer erzielen Unternehmen, die digitale Service-Angebote in ihr Geschäftsmodell integrieren 30 Prozent mehr Umsatz als ihre Mitbewerber. Wer als Kunde einmal gute Erfahrungen mit einem Anbieter gemacht hat, entscheidet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit beim nächsten Bedarf wieder für ihn und ist – sofern er mit der Servicequalität zufrieden war – auch Upsells gegenüber aufgeschlossener als Neukunden. 

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XaaS-Vorteile für industrielle Anbieter

  • Niedrigere Einstiegshürde für Kunden
  • Längerer Customer Lifecycle und höherer Customer Lifetime Value
  • Einfachere Skalierungsmöglichkeiten
  • Krisensicheres Umsatzmodell, da es keine hohen Einmalinvestitionen fordert 
  • Reine digitale Services: schneller globaler Markteintritt

Auf dem Weg zum industriellen XaaS-Dienstleister

Der Kreativität, um neue digitale Umsatztreiber um physische Produkte herum zu etablieren, sind keine Grenzen gesetzt; das wirtschaftliche Potenzial ist enorm. Doch wie jede Entwicklung hat auch XaaS Schattenseiten. Die vollständige Transformation des Geschäftsmodells braucht Monate, wenn nicht Jahre. 

Denn damit Industrieunternehmen der Wechsel zu XaaS gelingt, müssen sie ihre Denk- und Arbeitsweise und vor allem ihre IT-Infrastruktur anpassen. Sie müssen ein ganzheitliches digitales Ökosystem implementieren, dass die Daten von Lager, Produktion und Logistik nahtlos mit Front und Back Office verbindet. Bisher operieren diese IT-Systeme in den meisten Industrieunternehmen getrennt oder sind nur bilateral vernetzt. In der Zukunft der XaaS-Industrie wird dies nicht mehr ausreichen. 

Ein Beispiel: Wenn der Verbrauch eines vermieteten Geräts per Sensor minutengenau abgerechnet wird, müssen die Daten von der Maschine beim Kunden fehlerfrei an die Buchhaltung des Anbieters übermittelt werden. Und wenn das Gerät bei Fehlern automatisch einen Alert an das Wartungsteam geben soll, müssen auch hierfür digitale Schnittstellen geschaffen werden. Zweiseitige Vernetzung reicht nicht mehr aus. Daten sind im Idealfall in einem zentralen Pool verfügbar, damit sie von den Anwendungen jeder Abteilung in Echtzeit abgerufen werden können. 

Um ins XaaS-Zeitalter einzutreten, müssen Unternehmen also in mehrfacher Hinsicht neu erfinden. Dafür sind zunächst Investitionen nötig, in Technologie und internen Kompetenzaufbau. Vor allem die Technologiekosten sind oft so hoch, dass sie für kleine und mittlere Unternehmen eine Innovationsbarriere darstellen. Doch mit der richtigen Strategie und einem geschickten Vorgehen können auch sie die nächsten Schritte in der digitalen Transformation gehen. Eine Alternative gibt es ohnehin nicht - denn wer jetzt spart, bezahlt später mit seinem Erfolg.

Über Xapix

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